Selen – Die ganze Wahrheit

Selen – Die ganze Wahrheit

„Von wegen harmlose Nahrungsergänzung – Vorsicht bei Selen! Wer zu viele Tabletten schluckt, riskiert einen Hirnschaden“

so die Überschrift eines Artikels im Focus am 13.07.18.

Doch wie Paracelsus schon immer sagte: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“

Selen – die ganze Wahrheit

Hier wird der Fall einer 50-jährigen britischen Frau beschrieben, welche mit starken Seh- und Gedächtnisstörungen zum Arzt kam. Und dabei hat sie doch nur „ein wenig“ Selen für ihr Immunsystem genommen.Selen – die ganze Wahrheit

Meine Alarmglocken leuchteten dunkelrot und ihre jetzt wahrscheinlich auch. Doch meine mit dem Gedanken „Das kann doch keine normale Zufuhr gewesen sein“ und ihre wahrscheinlich mit der Unsicherheit, ab welcher Dosierung Selen gefährlich ist und ob es überhaupt sinnvoll ist es zu nehmen!?

In diesem Artikel erfahren Sie, warum Selen so wichtig für unsere Gesundheit ist und welche Dosierungen sinnvoll und welche sogar schädlich sein können.

Selen – die ganze Wahrheit

Tatsächlich, die Dame hatte eindeutig viel zu viel Selen eingenommen. Um Ihr Immunsystem zu stärken, hat sie über mehrere Monate hinweg 6 bis 8 Tabletten mit je 200 Mikrogramm Selen zugeführt. Damit lag die Selenzufuhr mit 1200 – 1600 Mikrogramm Selen pro Tag, weit über der maximalen Aufnahmemenge von < 800 µg/d (NOAEL = engl. für No Observed Adverse Effect Level; ist ein toxikologischer Endpunkt in der Toxizitätsbestimmung). Die maximale Aufnahmedosis, ist die Menge, die in Studien keine schädigenden Auswirkungen verursachte. Die langfristige tägliche Aufnahmemenge, bei der keine negativen Einflüsse auf die Gesundheit zu erwarten sind, liegt jedoch bei < 400 µg/d.

Selen – ein wichtiges Spurenelement

Bei Selen handelt es sich, um ein relativ seltenes Spurenelement, welches in unterschiedlichen Konzentrationen in der Erkruste vorkommt. Und so finden wir den größten Selengehalt in Böden, jedoch abhängig von der Region. Lebensmittel, welche auf selenreichenböden wachsen, haben damit einen höheren Selengehalt als pflanzliche Lebensmittel, die auf selenarmen Böden wachsen. In Europa sind große Teile der Böden selenarm, so dass Lebensmittel aus diesen Regionen einen geringen Selengehalt aufzeigen und damit auch nur wenig zur Selenversorgung beitragen.

Somit verwundert es kaum, dass die Selenversorgung in Deutschland und Österreich durch die übliche Ernährung nicht ausreichend gedeckt zu sein scheint (Fuchs N., Mit Nährstoffen heilen). Nach Hahn et. al. (2016) wird die tägliche Zufuhr von 100 – 200 µg gefordert, um alle selenabhängigen Reaktionen im Körper optimal zu unterstützen. Nach der DGE liegen die Empfehlungen für Selen bei Erwachsenen jedoch nur bei 60 µg für Frauen und 70 µg für Männer. Als Grundlage dieser Festsetzung diente eine Untersuchung aus 2010, welche davon ausgeht, dass 1  µg pro kg Körpergewicht eine adäquate Versorgung bietet. Bei Frauen wird somit von einem mittleren Körpergewicht von 60 kg und bei Männern von 70 kg ausgegangen. Anzumerken ist besonders, dass die offiziell geschätzten Werte lediglich die Minimalanforderungen für den Bedarf decken. Viele Experten, wie Hahn et. al., halten diese Werte für zu niedrig, um einen idealen Ablauf aller Körperfunktionen oder die Prävention von Erkrankungen zu ermöglichen. Gerade in Gebieten mit selenarmen Böden ist davon auszugehen, dass die Versorgung unzureichend ist.

Selen – Die ganze Wahrheit

Vorkommen von Selen in der Nahrung

Wie bereits beschrieben, hängt die Zufuhr von Selen von der Grundausstattung der Böden und damit der darauf gewachsenen Lebensmittel zusammen. Neben der Herkunft (geografisch) der Lebensmittel, ist der Selengehalt auch vom Eiweißgehalt dieser abhängig. Selen ist größtenteils in der Proteinfraktion enthalten und so zählen zu den selenreichen Lebensmitteln insbesondere:

  • Fleisch
  • Fisch
  • Innereien
  • Nüsse

Auch Getreidekörner können Selen enthalten, welches jedoch durch die Verarbeitung zum Beispiel von Getreide zu Weißmehl verloren geht.

ParanussEin ganz besonderer Selenlieferant ist die Paranuss, welche pro Nuss ca. 70 – 90 µg Selen liefert. Auch hier auf die Maximalzufuhr achten, denn auch Paranüsse haben das Potential zu Vergiftungserscheinungen zu führen.

Effekte von Selen im Körper

  • Begleitschutz für die Schilddrüse: Cofaktor für die Bildung von aktiven Schilddrüsenhormonen und Beeinflussung des Grundumsatzes sowie der Zellaktivitäten, Differenzierung und Wachstum
  • Antioxidative Schutzfunktion: Bestandteil der Glutathionperoxidase sowie Schutz der DNA, Membranen und Erythrozyten vor oxidativen Schäden
  • Immunkompetenz: Stärkung der humoralen und zelluären Immunität, Antikörperproduktion etc.
  • Entgiftung: Bindung von Schwermetallen und deren Ausleitung aus dem Körper
  • Leber: Förderung der Entgiftungsfunktion und Schutz der Leberzellen
  • Tumorprävention: Schutz der DNA und Zellen vor oxidativen Schäden; Antikanzerogene Effekte durch wachstumshemmende und zelltodfördernde Wirkung auf Tumorzellen sowie Stärkung der Immunabwehr

Labordiagnostik

Labordiagnostik SelenDie Selenbestimmung im Serum ist nur von eingeschränkter Bedeutung, da Selen zu 65 % intrazellulär vorkommt. Das heißt Selen ist zu 65 % erythrozytär gebunden. Für die korrekte Interpretation des Versorgungsstatus, ist die hämatokritkorrelierte Vollblutanalytik die Methode der Wahl. Außerdem ist diese Messung als Langzeitparameter für die Selenversorgung, aufgrund der langen Lebenszeit der Erythrozyten, geeignet.

Der Vollblut-Wert sollte für eine optimale Versorgung bei 80 – 130 µg/l liegen.

Mögliche Mangelsymptome

  • Müdigkeit
  • Infektanfälligkeit
  • Depression
  • Schilddrüse: Störung in der Umwandlung der Schilddrüsenhormone (T4 in aktives T3) und Verstärkung der Symptome bei bestehender Hypothyreose
  • eingeschränkte Immunleistung und erhöhte Allergieneigung
  • Muskulatur: Myopathien, Chronic-Fatigue-Syndrom

Einnahme

Natriumselenit sollte mit 1-2 Stunden Abstand zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Das heißt, entweder 1-2 Stunden VOR oder NACH einer Mahlzeit.
Selenmethionin sollte direkt zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Also direkt davor, währenddessen oder bis eine halbe Stunde danach.

Nebenwirkungen

Bei chronischer Überdosierung, wie im oben beschriebenen Fall, können Neuropathien (Seh- und Gedächtnisverlust) auftreten sowie Haarausfall und brüchige Nägel.
Bei akuter Überdosierung kann es zu Übelkeit, Durchfall und knoblauchartigem Atemgeruch kommen.

 

Fazit zu Selen – die ganze Wahrheit

Selen ist ein lebenswichtiges Spurenelement, welches für viele wesentliche Stoffwechselprozesse unerlässlich ist. Aufgrund der eindeutigen Wirkung, kann es im Falle einer langfristigen (über Monate) Einnahme von Selen in hohen Dosierungen (weit über 400 µg pro Tag) zu den aufgeführten Nebenwirkungen kommen.

Um kein unnötiges Risiko bezüglich der Einnahme einzugehen, empfehle ich Ihnen ganz klar, die Messung Ihres aktuellen Selen-Status.

 

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